Meine Sonntagspredigt...wie gewohnt zum nachlesen

02.11.2021 - Allerseelenpredigt

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Leid und Trauer zeigen Sehnsüchte nach einem anderen Leben, einem verlorenen Leben und verlorenen Menschen, die wir schmerzlich vermissen, ihre Nähe, ihre Lebenserfahrung, ihren Rat und die Gemeinschaft mit ihnen. Verlorene Lebenszeit, eigentlich sterben Menschen immer zu früh für uns Zurückbleibende. Manchmal ist das Vermissen übermächtig, sodass Trauernde gerne folgen würden. Wenn auch das Wie des Sterbens schwer zu ertragen, wir erleichtert waren, dass die Leiden aufgehört haben, so hört doch das Sehnen und Vermissen nicht auf. Es bleibt, es verändert sich, es wandeln sich Schmerz und Vermissen. Mögen Wochen, Monate, Jahre vergehen, das Vermissen gehört zu uns, weil wir geliebt und gerne mit den Verstorbenen gelebt, gelacht, gelitten haben und vieles mehr. Wir mögen unsere Tage noch so ausfüllen, immer wieder kommen Erinnerungen, Sehnsüchte nach unseren Toten. In den Augen anderer Menschen sind sie endgültig weg, tot, für uns aber leben sie, nur anders und doch nahe, wir haben ihnen etwas zu verdanken. Für uns Christenmenschen hat eben nicht der Tod das letzte Wort, ist er nicht Auslöschung, Zerstörung. Das Leben wird uns nicht genommen, sondern im Sterben gewandelt. Wissend um unsere biologische Vergänglichkeit, die uns Krankheiten wie auch Gebrechlichkeiten und Veränderungen unseres Körpers hart und zuweilen brutal zeigen, hoffen wir auf Gott, dass wir gewandelt werden hin in Gottes Lebendigkeit, in Gottes Sein. Nicht als Fortsetzung unseres jetzigen Lebens oder als erneute Wiederkehr zur moralischen Besserung, um sich zu perfektionieren oder als Strafe für schwere Vergehen und Fehler. Als würde Gott Menschen über den Tod hinaus immer wieder bestrafen. Das ist jüdischchristlichem Denken über Gott, Welt und Menschsein fern und fremd. Wir aber hoffen auf einem Gott zu begegnen, der uns gerecht wird, wie wir sind und waren, trotz Fehlern, Unterlassungen, Versäumnissen. Wir hoffen auf einen Gott, der uns die Augen öffnet für seine Existenz, für sein wirkliches Sein, das wir jetzt nur erahnen. Wir hoffen auf ein wahres Sein in Gott ohne Tränen, Klagen, Schmerz und Leid, also ein Leben wie es gut ist, ohne alles Schreckliche, doch wir wissen nicht wirklich, wie Leben nach dem Tod ist, wohl aber nicht als bloße Fortsetzung des jetzigen Lebens nur ohne alles Negative. Die Bibel macht Hoffnung auf Leben, nicht auf Untergang und Leiden des Geistes, des Körpers, der Seele. Die Auferweckung Jesu sagt uns in Gott leben zu. Sagt aber nicht, wie das sein kann und wie es ist. Unsere Begriffe greifen daneben, zu kurz, sonst wäre es menschliches Wunschdenken und sich Wehren gegen den Tod, gegen das Ende unserer Person, unseres Lebens. Doch sind wir Hoffende und Sehnsüchtige, Liebende und Vertrauende, weil wir eine Wirklichkeit ahnen und etwas davon erleben, die wir Gott nennen, die hinter allem steht als Ursprung, als das Leben, als Ziel allen Lebens, das im Tod hingeht in ein anderes Leben. Wir leben und denken nicht oberflächlich, nehmen nicht alles hin, sondern suchen und fragen, was gutes Leben, was Sinn für uns und andere sein kann. Jüdischchristliches Denken sagt, dass es mehr gibt an Wirklichkeit, als die wir gerade wahrnehmen, dass es mehr im Leben und Sterben gibt als alles uns Bekannte und Vertraute. Wir ahnen es, wenn wir alles Seiende ernstnehmen und fragen, warum es überhaupt etwas gibt, wir ahnen es am stärksten, wenn Menschen lieben, auch über den Tod des anderen hinaus. Wir ahnen es, wenn wir die Kürze unseres Lebens und die Vergänglichkeit unseres Körpers ernstnehmen. An den Gräbern unserer Toten stehend, versuchen wir auch deren Lebenssinn, Kraft und Hoffnung zu entdecken, woran sie sich hielten, was ihnen Freude und Halt, Liebe und Zuversicht gab. Christenmenschen sind nachdenklich Hoffende, die Leben und Liebe, Zuversicht und Halt in und aus Gottes Existenz in ihrem Leben finden. Wir entdecken im Leben unserer Verstorbenen manchen Hinweis auf Gott, auf sein Wirken durch sie. So lernen wir von ihnen Leben und Sinn über deren Tod hinaus, auch von ihren Zweifeln, Verletzungen, Fehlern, aber sie bleiben bei uns, sie sind nur vorausgegangen, wir werden folgen. Leben und Trauern sind Sehnsuchtswege nach Leben, Liebe, Nähe, Gemeinschaft, Freude, Vertrauen, Vergebung. Ein Leben lang lernen wir leben und sterben. Aus Gott kommen wir und zu Gott kommen wir. Wir lernen vertrauen und hoffen im Leben und Trauerschmerz, im Vermissen und Sehnen auf Gott, der uns zusagt: „Sieh! Ich mache alles neu!“ Wir können es, geläutert durch Zweifel und Tränen, Freude und Liebe, Gefühle und Nachdenken. Doch wir suchen und versuchen es unser Leben lang.



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